Keynotes

Prävention von Verhaltensproblemen in der Kindheit: Konzepte, Beispiele, Befunde
Prof. Dr. Markus Neuenschwander, Pädagogische Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW)
Verhaltensprobleme gefährden die Schullaufbahn der Kinder und beeinträchtigen die Chancengerechtigkeit. Sie können ungünstige psychosoziale Entwicklungen im Jugend- und Erwachsenenalter vorhersagen. Um Verhaltensprobleme zu reduzieren und ungünstigen Entwicklungen vorzubeugen, ist die frühzeitige Förderung der sozio-emotionalen Entwicklung von Kindern sehr wichtig. An den Beispielen des FOKUS-Projektes und des FOSSA-Projektes wird ein Konzept vorgestellt, wie durch Weiterbildung und Coaching die Einstellungen und die Klassenführung von Lehrpersonen (Ebenen Klasse, Kind) beeinflusst werden können, so dass Selbstregulation und soziales Verhalten der Kinder gefördert werden. Im FOKUS-Projekt wurden Kinder aus Kindergarten und Unterstufe mit erhöhten Werten bezüglich Impulsivität/Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit ausgewählt. Die Unaufmerksamkeit nahm während der Intervention im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant, die Hyperaktivität/Impulsivität tendenziell ab. Im FOSSA-Ansatz wurden Kinder aus Kindergarten und Unterstufe mit Verhaltensauffälligkeiten ausgewählt. Die Intervention wurde mit einer Förderung der Kinder in der Familie ergänzt. Bei den Lehrpersonen, die die zentralen Maßnahmen umgesetzt haben, erwies sich die Intervention bezüglich aggressivem Verhalten im Vergleich zur Kontrollgruppe als wirksam. Schlussfolgerungen für die Weiterbildung von Lehrpersonen und Heilpädagoginnen und -pädagogen werden diskutiert.

Challenge
Prof. Dr. Reto Luder und Prof. Dr. André Kunz, Pädagogische Hochschule Zürich (PHZH)
Auffälliges Verhalten von Schülerinnen und Schülern ist für viele Schulen eine große Herausforderung. Um die Integrationskraft von Schulen zu unterstützen, braucht es geeignete Maßnahmen, um Situationen mit auffälligem Verhalten gezielt anzugehen. Ziel des hier berichteten Projekts «Challenge» ist es, die integrativen Möglichkeiten der Regelschulen im Umgang mit Schülerinnen und Schülern mit Verhaltensauffälligkeiten zu stärken.
Zur Zielerreichung wird ein Vorgehen in drei Schritten gewählt: Zuerst wird mit einer systematischen Literaturanalyse das Repertoire an nachweislich wirksamen Handlungsmöglichkeiten dargestellt. In einem zweiten Schritt folgt eine Bedarfserhebung in den beim Projekt „Challenge“ teilnehmenden Schulen, und in einem dritten Schritt werden auf der Basis dieser Bedarfserhebung Aktionsforschungsprojekte durchgeführt, um effektive Maßnahmen zur Prävention und Intervention bei auffälligem Verhalten umzusetzen. Die Kombination von empirisch nachgewiesener Wirksamkeit (genereller Aspekt) und Anpassung an die individuellen Bedürfnisse und Rahmenbedingungen der einzelnen Schule (spezifischer Aspekt) erwies sich dabei als ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Die bisherigen Umsetzungen im Kanton Zürich, Schweiz, weisen darauf hin, dass durch die gezielte Bearbeitung auffälligen Verhaltens mit passenden Maßnahmen erste Erfolge erzielt und Belastungsfaktoren reduziert werden können. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass in den durchgeführten Aktionsforschungsprojekten unterstützende Erfahrungen gemacht und ermutigende Auswirkungen der jeweils ergriffenen Handlungsmöglichkeiten festgestellt werden konnten. Dadurch wurde die Integrationskraft der Schulen gestärkt.